Eigenverbrauch Solarstrom



Von Eigenverbrauch bzw. Selbstverbrauch bei PV-Anlagen spricht man, wenn der generierte Solarstrom nicht ausschließlich in das Stromnetz eingespeist wird, sondern auch vollständig oder zum Teil selbst genutzt wird. Das EEG wurde mehrmals den Gegebenheiten angepasst, daher muss man zwischen den jeweiligen Zeiträumen unterscheiden:

  1. PV-Anlagen, die vor 2009 in Betrieb genommen wurden
  2. Photovoltaikanlagen, die zwischen 2009 und Ende März 2012 in Betrieb genommen wurden 
  3. Solaranlagen, die ab dem 01.04.2012 in Betrieb genommen wurden oder werden

1. Photovoltaikanlagen mit Inbetriebnahmedatum vor dem Jahr 2009

Für Anlagen, die vor dem Jahr 2009 installiert wurden war Eigenverbrauch kein Thema. Die Vergütungssätze waren wesentlich höher als die Stromkosten und der Eigenverbrauch wurde auch nicht in irgend einer Art und Weise vergütet. Rein theoretisch kann aber auch ein solcher Anlagenbetreiber auf Eigenverbrauch umsteigen. Eine kleine Überschlagsrechnung soll verdeutlichen, ab wann dieser Gedankengang zur Realität werden könnte:

Einspeisevergütung 2008 für Anlagen bis 30 kWp: 46,75 Ct/kWh
Strompreis Ende 2012: ca. 25 Ct/kWh
Bei einer durchschnittlichen Strompreiserhöhung von 5% pro Jahr werden wir erst in ca. 12 bis 13 Jahren  an einen Punkt kommen, bei dem sich eine Umstellung auf Eigenverbrauch rechnen könnte. Die Entscheidung wird auch wesentlich davon abhängen, wie die Regelung für PV-Anlagen nach Ablauf des 20-jährigen Vergütungszeitraumes gestaltet wird.

2. Photovoltaikanlagen mit Inbetriebnahmedatum zwischen 2009 und Ende März 2012

Seit dem Jahr 2009 kann der erzeugte Strom bei Anlagen bis 30 kWp (ab 01.07.2010 bis 500 kWp) teilweise oder vollständig zum Eigenverbrauch bzw. Selbstverbrauch verwendet werden. Das gilt auch rückwirkend für bereits installierte PV-Anlagen, daher schreibe ich nicht in der Vergangenheitsform. Der nicht eigen verbrauchte Solarstrom wird weiterhin zu dem normalen Vergütungssatz in das öffentliche Netz eingespeist, für den eigen genutzten Strom gibt es eine zusätzliche Eigenverbrauchsvergütung. Selbst genutzter Strom muss dabei in unmittelbarer Nähe der Anlage selbst oder von Dritten (z.B. Mieter) verbraucht werden. 2009 hatten nicht sehr viele Neu-Anlagenbetreiber von der Regelung Gebrauch gemacht. Der Grund dafür ist relativ einfach zu erklären: Es hat sich nicht gelohnt. Erst ab einem Strombezugspreis von ca. 21,42 Ct/kWh inkl. MwSt beziehungsweise 18 Ct/kWh ohne MwSt ist man in die Pluszahlen gekommen. Ab dem Jahr 2010 sah das schon vollkommen anders aus. Einerseits hatten die Energieversorgungsunternehmen die Strompreise nicht unerheblich angehoben, andererseits wurde es wirtschaftlich interessanter durch die geänderten Vergütungssätze. Inzwischen (Stand Ende 2012) ist der Strompreis so stark gestiegen, dass auch Anlagen aus dem Jahr 2009 vom Eigenverbrauch profitieren. Bevor Sie aber aufgrund hoher Strompreise auf Eigenverbrauch umstellen, sollten Sie zuerst prüfen, ob Sie  durch einen Anbieterwechsel den Strombezugspreis senken können. Am besten Sie schauen sich nach einem Stromanbieter um, der regenerative Energien anbietet. Eine große Auswahl findet man z.B. auf der Seite oekostromanbieter.org
Ab Juli 2010 wurde der Vergütungssatz für den Eigenverbrauch noch gesplittet. Eigenverbrauchsquoten über 30% werden dadurch höher vergütet. Damit wurde bzw. wird der Eigenverbrauch noch stärker gefördert.
Ich greife schon einmal vor und verweise auf meinen Eigenverbrauchsrechner. Mit Hilfe dieses Tools können Sie alle Konstellationen seit Einführung des Eigenverbrauchs für Ihre eigene Anlage berechnen: Berechnung Eigenverbrauch

Eine immer wieder gestellte Frage: Warum ändert sich der Mehrertrag durch Eigenverbrauch nicht, wenn die Vergütung für die Einspeisung reduziert wird?
Wer in meinem Exceltool die einzelnen Vergütungszeiträume vergleicht, wird schnell stutzig, weil beim Mehrertrag durch Eigenverbrauch keine Änderung ersichtlich ist. Das ist aber vollkommen korrekt. Die Eigenverbrauchsvergütung bleibt in Relation zur Einspeisevergütung immer gleich, die Differenz ist also konstant, unabhängig von der Höhe der Einspeisevergütung oder dem Prozentsatz der Reduzierung.

Bitte beachten:
Neben den vom Energieversorgungsunternehmen gezahlten Einspeisevergütungen (Normal- und Anrechnungstarif) ist für den privat verbrauchten Strom ein Entnahmenwert gewinnerhöhend zu berücksichtigen. Das bedeutet, dass der geldwerte Vorteil, der sich aus der Eigenverbrauchsregelung ergibt versteuert werden muss.


3. Photovoltaikanlagen mit Inbetriebnahmedatum ab April 2012

Zum 01.04.2012 wurde die Eigenverbrauchsvergütung im EEG 2012 gestrichen, da die Stromkosten mittlerweile die Einspeisevergütung übersteigen. Damit rentiert sich jede kWh, die selbst verbraucht wird mehr als wenn diese ins Netz eingespeist wird. Zwei weitere Punkte haben Einfluß auf das Thema Eigenverbrauch:
  1. 70%-Regelung für Anlagen bis 30 kWp
  2. 90%-Regelung für Anlagen zwischen 10 kWp und 1.000 kWp

3.1. 70%-Regelung für Anlagen bis 30 kWp

Die 70%-Regelung gilt ab 01.01.2014, aber auch rückwirkend für Anlagen mit Installationsdatum ab 01.01.2012.
Die Regelung besagt, dass die maximale Wirkleistungseinspeisung am Einspeisepunkt auf maximal 70 Prozent der Generatorleistung begrenzt sein muss.
Diese 70%-Grenze gilt aber wie gesagt erst ab dem Verknüpfungspunkt zum Stromnetz. Somit darf der Anteil über 70% der Generatorleistung eigenverbraucht werden.
Alternativ ist es möglich, die Anlage so auszurüsten, dass sie vom Energieversorger bei Bedarf heruntergeregelt werden kann. Diese Variante ist aber  für kleine Anlagen mit vergleichsweise hohen Kosten verbunden.
Da die Frage, ob man die 70%-Regelung und die Lösung mit dem Einspeisemanagement bevorzugen soll immer wieder gestellt wird und auch Solarteure bei Angeboten für neue Anlagen die unterschiedlichsten Aussagen treffen habe ich diesem Thema einen eigenen Beitrag spendiert: Vergleich zwischen 70-Prozent-Regelung und Einspeisemanagement PV

3.2. 90%-Regelung für Anlagen zwischen 10 kWp und 1.000 kWp

Für Anlagen zwischen 10 kWp und 1.000 kWp werden nur noch 90% vergütet, der Rest muss eigenverbraucht, direkt oder über den Netzbetreiber an der Strombörse vermarktet werden. Das gilt für Anlagen, die ab 01.04.12 ans Netz gingen oder gehen. Die Regelung tritt aber erst ab 01.01.2014 in Kraft. Bis dahin werden alle Anlagen zu 100% vergütet. Die Verrechnung erfolgt dabei für die gesamte erzeugte Strommenge und nicht anteilig wie bei der Berechnung der Vergütungshöhe bei Dachanlagen.
Also auch bei diesen Anlagen muss man sich Gedanken über den Eigenverbrauch machen. Eine Vermarktung kommt für Anlagen unter 100 kWp kaum in Frage, bleibt also nur der Weg über den Eigenverbrauch, wenn man nicht auf 10% der Vergütung von vorne herein verzichten möchte. Aber wer will das schon? Auch hier helfen wieder meine Excelfiles. Damit können Sie überschlägig Ihren Eigenverbrauchsanteil sowie die daraus resultierenden Vergütungen bzw. Stromersparnisse berechnen.


Informieren Sie sich über alle Neuigkeiten der Gesetzeslage und überprüfen Sie anhand einer Beispielrechnung sowie meinen Exceltools, ob sich die Eigenverbrauchsregelung auch in Ihrem Falle lohnt.
Folgen Sie den Links für weiterführende Informationen:

Berechnung Eigenverbrauch - Eigenverbrauchsrechner

Berechnen Sie anhand meines Exceltools, ob sich bei Ihnen die Eigenverbrauchsregelung lohnt
Berechnung Eigenverbrauch

Berechnung Eigenverbrauchsanteil - Rechner zur Bestimmung des Eigenverbrauchanteils unter Berücksichtigung der eigenen Verbrauchsgewohnheiten

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Ein ganz wichtiges Thema! Um den Eigenverbrauch korrekt abrechnen zu können, müssen die Zähler entsprechend angeordnet und konfiguriert sein.
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Hier finden Sie Links zu den Gesetzestexten, sowohl für das EEG, wie auch zu den weiteren Ausführungen zum Thema Eigenverbrauch
EEG - Gesetzliche Grundlagen

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Ist der Eigenverbrauch auch bei gepachteten Dächern möglich? Was ist zu beachten?
Eigenverbrauch auf gemieteten oder gepachtetem Dach

Musteranlage PV mit Eigenverbrauch

Wie heißt es so schön: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Ich taufe das mal um in: Eine real existierende, gut dokumentierte Anlage mit Eigenverbrauch sagt mehr als tausend geschriebene Worte oder so ähnlich. Schauen Sie sich auf der Seite von Kai Fischer um.
Beispielanlage Eigenverbrauch

 


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