Ist Photovoltaik auf einem Asbestdach verboten?

22. April 2021
Sie sind im Besitz eines aufgrund der standortspezifischen Gegebenheiten optimalen Gebäudes mit einem Asbestdach und spielen mit dem Gedanken, dort eine Photovoltaikanlage zu installieren? Dann müssen Sie folgende Punkte unbedingt in Ihre Überlegungen mit einbeziehen. Mein besonderer Dank gilt Herrn Friedemann Schmidt vom Umweltschutzamt - Gewerbeaufsicht der Stadt Freiburg für die Bereitstellung der äußerst informativen und hervorragend recherchierten Inhalte, auf die sich mein Beitrag im wesentlichen stützt.
Dieser Artikel wurde von
Christian Märtel für www.Photovoltaik-Web.de verfasst.
PhotovoltaikIst das Dach geeignet?Photovoltaik auf Asbestdächern

Asbestsanierung für eine Photovoltaik Anlage© Lucaz80 - Fotolia.com

 

Asbest war als Baustoff äußerst beliebt, nicht nur weil es eine große Festigkeit besitzt, hitze- und säurebeständig ist, sondern auch sehr gute isolierende Eigenschaften aufweist. Zwar wurde bereits um die Jahrhundertwende 1900 die Asbestose als Krankheit entdeckt und 1943 Lungenkrebs als Folge von Asbestbelastungen als Berufskrankheit offiziell anerkannt, aber es dauerte doch bis zum Jahr 1993, bis in Deutschland die Herstellung und Verwendung von Asbest verboten wurde.

Von Asbest und seinen Produkten wie beispielsweise Asbestzement gehen besondere Gefahren für Leben, Gesundheit und Umwelt aus. Daher darf keinesfalls der Arbeitsschutz ignoriert oder nur zu Teilen berücksichtigt werden. Die verlockenden Einsparungen für den späteren Betreiber oder der Installationsfirma können schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Insbesondere können strafrechtliche Schritte sowie hohe Geldbußen verhängt werden.

Die momentane Rechtslage

 
  • Das Anbringen von Solaranlagen auf Asbestzementdächern fällt laut den technischen Regeln für Gefahrstoffe - TRGS 519 unter das Verwendungsverbot nach § 18 Abs. 1 der Gefahrstoffverordnung, da es sich hierbei nicht um ASI-Arbeiten (ASI = Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten) handelt. Das gilt nicht nur für eine normal auf einer Unterkonstruktion montierten Photovoltaikanlage, sondern ebenfalls für eine aufgeständerte Anlage.
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  • Laut Chemikaliengesetz § 27 Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2 bis 4 wird bestraft, wer vorsätzlich oder fahrlässig asbesthaltige Gefahrstoffe verwendet.

Wie wird die Rechtslage begründet?

 
  • Im Gegensatz zu einer Demontage des gesamten Daches, müssen bei der Installation einer Solaranlage staubintensive Arbeiten durchgeführt werden, die umfangreiche Freisetzungen von Asbestfasern nach sich ziehen.
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  • Bei der Errichtung der Anlage können Platten brechen oder Risse bekommen.
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  • Da seit 1993 die Verwendung von Asbest verboten ist, ist ein Asbestzementdach mindestens 17 Jahre alt, viele Dächer sind noch viel älter. Diese sind meist bereits stark in Mitleidenschaft gezogen. Da man bei Photovoltaikanlagen von einer Mindestlaufzeit von 20 Jahren ausgeht, wäre so ein Dach nach Ablauf der Amortisationszeit bereits älter als 37 Jahre.

    Eine Neubeschichtung ist nicht erlaubt, die Erosion dürfte durch den geringen Abstand der Dachhaut zu den Modulen aufgrund der höheren Windgeschwindigkeiten (Kamineffekt) sogar noch erhöht sein. Schlimmstenfalls müssten die Module vor dem Ablauf der 20 Jahre vom Dach demontiert und auf einem neuen Dach wieder montiert werden.

Können Ausnahmegenehmigungen beantragt werden?

Nach der novellierten Gefahrstoffverordnung, die seit 01.12.2010 in Kraft ist, ist für das Anbringen von Photovoltaikanlagen auf Asbestzementdächern bzw. für eine Überdeckung keine Ausnahmegenehmigungen mehr möglich. Behördliche Ausnahmen können im Einzelfall nur von den Pflichten nach den §§ 6 bis 15 der Gefahrstoffverodnung erteilt werden.

Die Herstellungs- und Verwendungsverbote für Asbest stehen jedoch in § 16 der Gefahrstoffverordnung und beziehen sich auf Art. 67 i. V. m. Anhang XVII der REACH-Verordnung. Im Anhang II der Gefahrstoffverordnung findet sich noch eine besondere deutsche Regelung zu Asbest. Danach sind nur Abbruch- Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten zulässig. Aufständerungsarbeiten zur Montage von Photovoltaikanlagen auf Asbestzementdächern sind verboten.

Richtiger Umgang mit asbesthaltigen Gefahrstoffen

 
  • Durchführung der Arbeiten ausschließlich durch anerkannte Fachbetriebe mit geeignetem Personal und sicherheitstechnischer Ausrüstung. Es muss mindestens eine weisungsbefugte, sachkundige Person mit Sachkundenachweis gemäß TRGS 519 vor Ort sein.
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  • Die durchzuführenden Arbeiten müssen mindestens sieben Tage im Voraus der Gewerbeaufsicht sowie der Berufsgenossenschaft schriftlich mitgeteilt werden.
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  • Die Arbeiternehmer müssen arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen unterzogen werden (nach Grundsätzen G1.2 und G 26)
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  • Der Arbeitgeber muss einen Arbeitsplan, eine Betriebsanweisung sowie eine Gefährdungsbeurteilung erstellen und dokumentieren und die Arbeitnehmer anhand dieser Unterlagen unterweisen.
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  • Es ist eine PSA (Persönliche Schutzausrüstung) zu tragen. Darunter fällt ein Schutzanzug sowie eine Atemschutzmaske. Außerdem besteht Rauch-, Ess-, Trink- und Schnupfverbot während den Arbeiten beziehungsweise am Arbeitsplatz.
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  • Es müssen besondere, umfangreiche Maßnahmen zum Schutz gegen Absturz getroffen werden, da Asbestzementdächer als nicht begehbar eingestuft sind.
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  • Zuletzt fallen auch noch Gebühren an, die sich nach dem Aufwand der Behörde richten.

Asbestsanierung ist bei Photovoltaik Vorhaben die einzige Lösung

Wenn man jetzt alle Punkte mit wachsender Begeisterung gelesen hat, stellt sich die Frage, wie es weitergehen könnte, um doch noch in den Genuss einer Photovoltaikanlage auf dem Gebäude zu kommen. Die Antwort dürfte ziemlich eindeutig sein:

Bereits in der Planungsphase sollte ein Fachmann kontaktiert werden, der sich mit der zuständigen Gewerbeaufsichtsbehörde in Verbindung setzt und die weitere Vorgehensweise unter Berücksichtigung aller Vor- und Nachteile abklärt. Es ist dringend zu empfehlen, das Asbestdach durch eine qualifizierte Firma demontieren zu lassen und durch eine neue Dacheindeckung zu ersetzen. Dann kann man mit ruhigem Gewissen auf eine lange währende, zukünftige Laufzeit der Fotovoltaikanlage blicken.

Weitere Faktoren, die die Eignung eines Daches für eine Photovoltaik Anlage betreffen, finden Sie im Hauptkapitel.

Weiterlesen zum Thema "Photovoltaik auf Flachdächern"

Erfahrungen & Fragen zum Thema Photovoltaik

Kombination von Nachtspeicherheizung und Solaranlage

Ist eine Solaranlage bei Nachtstromspeicherheizung möglich und sinnvoll bei ca. 10.000 KWh Stromverbrauch?
Antwort eines Haus&Co Experten

Ja, das kann eine sinnvolle Kombination sein - besonders, wenn Sie bei der Elektroheizung bleiben wollen. Sie benötigen auf jeden Fall einen Solarstromspeicher - da Sie den Strom dann tagsüber erzeugen, wenn die Nachtspeicherheizung gerade nicht vorheizt. Generell ist der Eigenverbrauch - dank sinkender Einspeisevergütung - stark in den Fokus gerückt. Da Solarstromspeicher auch aktuell noch von der KfW gefördert werden, würde ich da auf jeden Fall einmal ein Angebot anfragen.

Sie können sich das hier einmal kalkulieren (da ich keine Angaben zur verfügbaren Dachfläche habe): https://www.solaranlagen-portal.com/photovoltaik/kosten

Erfahrungen mit der Stromcloud?

Ich plane den Bau einer PV Anlage und habe von der Stromcloud gehört. Daher meine Frage: Kann ich auch nur die Cloud buchen? Eine PV Anlage habe ich ja schon bzw. plane / kaufe ich gerade. Gibt es sonst Erfahrungen mit der Stromcloud?
Antwort von energie-konzept24 GbR

Die Firma Sonnen und Senec bieten die Cloud aktiv an.

Wenn Sie die Cloud nutzen möchten brauchen Sie den Speicher der jeweiligen Firma.

Von Sonnen würde ich generell abraten da die Firma darauf bedacht ist einen hohen Ajtienweet zu erreichen um beim
Börsengang ordentlich Kasse zu machen. Ich bezweifle nur ob das für die Kunden nachhaltig ist und ob die Garantiezeiten
eingehalten werden.

Wenn Sie sich unbedingt eine Cloud leisten möchten, nehmen Sie Senec.

Generell kann ich Ihnen nur raten genau zu rechnen!

Die Berechnungen die wir mit beiden Anbietern vollzogen haben waren negativ.

Ich habe bis jetzt keine Berechnung gesehen wo der Kunde einen Vorteil hatte.

Gerne erkläre ich Ihnen die List und Tücken, die Sie im normalen Angebot nur sehr schlecht erkennen.

Mein Rat - Batterrie etwas größer als Ihr Verbrauch und auf jedenfall größer als Ihre PV Anlage.

Beispiel : 5 KWp PV Anlage dann 8 oder 9 KW Speicher !

Erfahrungen mit Solarziegeln von autarq

Haben Sie Erfahrung mit Solarziegeln der Firma autarq / Berlin? Wir interessieren uns für Solarziegel und wüssten gerne mehr über Vor- / Nachteile und technische Umsetzung.
Antwort von ENPLA GmbH

Hallo,
Ja wir haben Erfahrung mit den Solarziegeln von Autarq.
Referenzen können Sie bei uns besichtigen. Für weitere Fragen und eine Berstung kontaktieren Sie uns einfach!

ENPLA GmbH, 88630 Pfullendorf.

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